ALTERED CARBON – Unser Review zur neuen Netflix-Serie

Altered Carbon Das Unsterblichkeitsprogramm
© Netflix
Das Cyberpunk-Setting wird dank Filmen wie Ghost in the Shell und Blade Runner 2049 immer beliebter, kein Wunder dass auch Netflix auf diesen Zug aufspringt. Doch wie gelungen ist die Serie mit dem spannenden Titel „Das Unsterblichkeitsprogramm“?

Mit dem Thema Unsterblichkeit hat sich Netflix ein vielversprechendes Gebiet ausgesucht, da dieses mit voranschreitender Zeit und Technologie immer realistischer wird. Des Weiteren ist der Tod für Menschen bekanntlich ein schwieriges Thema, denn nicht umsonst spekulieren Menschen seit Ewigkeiten darüber, wie es nach dem Tod weiter geht. Mit Altered Carbon – Das Unterblichkeitsprogramm erscheint am 2. Februar eine Serie, die jedoch auch große Nachteile an der Unsterblichkeit darlegt.

Doch beginnen wir am Anfang: In einer fast 300 Jahre entfernten Zukunft ist es den Menschen gelungen ein Gerät namens Stack zu entwickeln, welches diesem nach der Geburt eingesetzt wird. Auf dem besagten Stack wird das Bewusstsein der Person gespeichert und kann nach dem Tod der Person in einen neuen Körper implementiert werden, was genau das tut, was man nun vermuten könnte – es macht den Menschen unsterblich. Die einzige Möglichkeit einen Menschen zu töten, der mit einem Stack ausgestattet ist, ist den Stack zu zerstören.

Takeshi Kovacs (Joel Kinnaman) gehört zu den größten Gegner des Unterblichkeitsprogramms und kämpfte lange Zeit mit Waffengewalt gegen dieses an. Nachdem eine Spezialeinheit Kovacs aufspürt und seinen Körper vernichtet, wird er Jahre später aus der Cloud zurückgeholt um einen Mord aufzuklären. Auftraggeber ist der Superreiche Laurens Bancroft (James Purefoy), der einer der größten Beführworter des Programms ist. Er will, dass der ehemalige Elitesoldat den Mord aufklärt, der an Bancroft selbst verübt wurde.

Nur mit Wiederwillen nimmt Kovacs den Auftrag an, da er das System für welches er nun arbeitet nicht unterstützt, denn während sich die Reichen in den großen Wohntürmen ein schönes Leben machen, lebt die einfache Bevölkerung weiter unterhalb im Dreck zwischen Puffs und Drogen. Beobachtet wird Kovacs dabei von der Polizistin Kristin Ortega (Martha Higareda), die ihm nicht über den Weg zu trauen scheint und in auf Schritt und Tritt verfolgt.

Altered Carbon Das Unsterblichkeitsprogramm
© Netflix

Fehlende Emotion

Ein Manko der Serie ist vor allem die fehlende Emotion und die Tatsache, dass man mit den Charakteren nicht richtig mitfühlen kann. Dies liegt weniger an den Schauspielern selbst, sondern mehr daran, dass die Charaktere vollkommen klischeehaft und überspitzt dargestellt werden. Auch wenn das Auftreten sehr unterhaltsam sein kann, führt es dazu, dass man sich nicht mit den Figuren indentifizieren kann.

Alleine wenn wir uns den psychisch labil wirkenden Protagonisten Takeshi Kovacs anschauen, der meist eine große Klappe hat und selten richtige Emotionen zeigt, wird schnell klar warum wir uns nicht auf diesen einlassen können. Dann hätten wir da auch noch die enorm kritische und misstraurische Kristin Ortega, die mit dem Protganosten ersteinmal warm werden muss und Laurens Bancroft, der durch sein Geld die typische Arroganz ausstrahlt.

Auch wenn das Verhalten der Figuren durchaus unterhaltsam sein kann, verschenkt man an dieser Stelle zu viel Potential, da besonders das düstere Setting für mehr emotionalen Tiefgang hätte genutzt werden können.

Altered Carbon Das Unsterblichkeitsprogramm
© Netflix

Langsamer Start trotz rasanter Action

Auch wenn die Serie sehr viel actionreicher, schneller und vor allem brutaler ist als andere Vertreter des Cyberpunkt-Szenarios, braucht die Serie relativ lange um ihre Stärken hervor zu bringen. Das man sich für Altered Carbon Blade Runner 2049 und Ghost in the Shell als Vorbild nam ist nicht zu übersehen, jedoch scheint man sich auch an einer sehr erfolgreichen Serie bedient zu haben – Game of Thrones.

Auch wenn die Szenarien überhaubt nicht zusammenpassen, ist die Verbindung der Serien nicht zu leugnen, denn in Altered Carbon finden wir genau so viele völlig zusammenhanglose Sexszenen wie im Fantasy-Epos von HBO. Leider ist diese Feststellung nicht übertrieben, denn alleine in den ersten beiden Folgen ist so viel nackte Haut zu sehen, dass man eigentlich nur drüber schmunzeln möchte.

Alles in Allem ist Altered Carbon eine sehr düstere Serie voller Klischees, Gewalt und, wie eben bereits ewähnt, Sex. Wirklich fart nimmt die Serie auf, wenn man sich die Nachteile des Unterblichkeitsprogramms vor Augen führt. Das eigentliche Gerüst, also der Mord an Kovacs Auftraggeber, ist nicht so spannend wie man es vermuten könnte, schon alleine aus dem Grund, da ein Mord in Altered Carbon nicht möglich ist.

Was an Altered Carbon definitiv postiv zu sehen ist, ist die Tatsache dass Netflix die Anzahl der Folgen auf zehn Stück begrenzte und man die Serie so nicht künstlich in die Länge zieht. Trotzdem müssen sich interessierte auf ein oder zwei Lückenfüller einstellen, die mit der eigentlichen Story nichts oder nur wenig zu tun haben. Doch auch diese Folgen sind unterhaltsam und gut umgesetzt.

Altered Carbon Das Unsterblichkeitsprogramm
© Netflix

Nette Optik in jeder Hinsicht

Auch wenn man Altered Carbon ansieht, dass die Serie voller Computereffekte steckt, muss man die Optik durchaus anerkennen. Die heruntergekommenen Containersiedlungen in denen die ärmsten der Armen hausen müssen, wirken genau so düster wie die hohen Wolkenkratzer in denen das gehobenere Volk lebt.

In den Gassen der Unterwelt sehen wir viele Leuchtschilder, interaktive Reklametafeln und verschiedenste Details, die ebenfalls positiv zur Stimmung beitragen. Besonders durch den finsteren Look wird die Serie zu einem atmosphärischen Fest.

Die Gewaltdarstellung in Altered Carbon ist an einigen Stellen zwar vollkommen überzogen, hat aber trotzdem ihren eigenen Scharm. Egal ob Einschusslöcher, spritzendes CGI-Blut oder vollständig abgerissene Körperteile, es passt in das Szenario, auch wenn man dies in der kommenden Staffel ein wenig minimieren könnte.

Altered Carbon Das Unsterblichkeitsprogramm
© Netflix

Fazit

Letztendlich kann man festhalten das Netflix in der ersten Staffel zu Altered Carbon einiges an Potential liegen lässt, doch dies kann sich ja noch ändern. Trotz der Kritik kann man sich Altered Carbon, insofern man etwas mit dem Cyberpunkt-Szenario anfangen kann, einmal anschauen. Besonders mit der Optik kann die Serie durchaus trumpfen.

Für die kommende Staffel würden wir uns jedoch, wie eben bereits angesprochen, mehr Emotionen wünschen. Auch die übermäßige Gewalt und nackte Haut könnte für eine tiefsinnigere Story etwas zurückgefahren werden. Sollte Netflix diese Punkte berücksichtigen und mehr auf den eigentlich interessanten Punkt der Serie eingehen, nämlich die Konsequenz die sich aus dem ewigen Leben ergibt, kann Altered Carbon durchaus ein weiterer Serien-Hit werden.

Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm startet am 2. Februar 2018 auf Netflix.